KuturFokus trifft: REBEL G. HARDY
The Kings of Austrobilly, das sind die Mad Town Dogs (www.austrobilly.at oder siehe auch unter www.derlurch.at). Die seit drei Jahren bestehende Band machte erst kürzlich auf sich aufmerksam, als sie beim FM4 Protestsongcontest im Februar 2010 mit ihrer Nummer „Lokalverbot“ den 3. Platz belegte. Nun sind die Mad Town Dogs gerade beim Aufnehmen der ersten CD, die im Herbst erscheint und den Titel Schattenstadt trägt.
Der Sänger der Band, Rebel G. Hardy, traf sich mit Kulturfokus-Redaktrice Margot Fink zum Interview und sprach mit ihr unter anderem über das Schreiben von deutschen Texten, über die Auswirkungen von Lokalverbot und die Entstehung von Austrobilly.
Was ist Austrobilly? Wie erklärst du jemandem, der überhaupt nichts darüber weiß, was du machst, welche Art von Musik du spielst?
Die Idee war, aus einer alten Bandkonstellation etwas Neues zu machen. Mit dem Bassisten der Mad Town Dogs, Spike Doghouse, habe ich gemeinsam in Linz studiert, und mit dem Schlagzeuger Markusio Alemankale habe ich auch vorher schon Sachen gespielt, Jazzstandards, also Unterhaltungsmusik.Die Idee vom Spike war, dass wir gemeinsam Aufnahmen machen, ein Bluesprojekt war da angedacht, mit eigenen Texten, weil ich schon damals versucht habe, selbst deutsche Texte zu schreiben, aber das ist kläglich gescheitert. Also ist es nie zustande gekommen.Durch die Kooperation mit dem Lurch ist es dann aber gelungen, weil sie einen Texter haben (Jannes Krinner, www.krinner.at, Anm. d. Red.), der deutsche Texte schreibt, zum Thema Rockabilly und Rock‘n’Roll.
Ist es nicht ungewöhnlich, auf Deutsch zu singen, Rockabilly kommt ja aus dem amerikanischen Bereich?
Ja, schon. Es gibt in Österreich sehr viele Bands, die Rockabilly covern oder eigene Texte machen, aber fast alles auf Englisch.
Was macht eigentlich den Rockabilly aus?
Auss meinem Wissen heraus ist Rockabilly die Verbindung aus Rhythm and Blues und Country, eine Verschmelzung dieser Musikstile; Rockabilly hat gewisse Themen wie Liebe, Beziehung und dann auch ganz brachiale Gewalt, also Gegensätze, die nebeneinander stehen. In den 20er, 30er Jahren hat es schon Formen gegeben, Viel ist Ende des 2. Weltkrieges passiert, als viele Jugendliche sich gegen ihre Elterngeneration aufgelehnt hben. Elvis Presley etwa ist ja einer der bekanntesten Rockabilly-Sänger auf dem Planeten.
Wie kam es zum Namen Austrobilly?
Es gibt ja auch den Austropop, und von Austropop bin ich auf Austrobilly gekommen. Es ist aber eine eigene Form der Musik, auch wenn die Bandbesetzung sehr klassisch ist, mit Schlagzeug, Kontrabass und zwei Gitarren. Aber was wir spielen, ist dann eher Rock‘n’ Roll mit Rockabilly-Elementen. Rockabilly ist so ein alter Hut, war aber eine total wichtige Jugendkultur, ich sehe es auch als Urform einer Jugendkultur, und wir wollten es ins Wienerische übersetzen. Das war der Grundtenor des ganzen. Wir wollten mit Stilelementen und Sujets arbeiten, aber nicht verbissen auf dem Rockabilly draufhängen und so unbeweglich werden, sozusagen einen Stempel aufgedrückt bekommen. Das war der Hauptauslöser für mich, es sollte als eigene Musikrichtung gelten und Austrobilly heißen.
Wie bist du zum Rockabilly gekommen?
Ich habe mich immer schon gerne mit Musik beschäftigt, auch mit elektronischer Musik. Unter dem Strich ist Rockabilly übrig geblieben als Musikrichtung, die ich gerne höre.
Wie lange gibt es euch schon?
Das Projekt gibt es fast drei Jahre. Nachdem wir nichts covern, nur eigene Texte schreiben und eigene Kompositionen und Arrangements machen, dauern die Entwicklung und Probenarbeit lange. Zwei Jahre etwa hat die reine Proberaumarbeit gedauert, das liegt aber auch daran, dass wir an verschieden Orten leben, in Graz, Linz und Wien. Mindestens einmal im Monat kommen wir zusammen und proben.
Ihr nehmt gerade die 1. CD auf. Gibt es ein Konzept, ein Thema, das sich durch die Nummern zieht?
Das Thema ist Schattenstadt. Die Schattenstadt ist nicht Wien, vielleicht ein fiktives Wien. Wenn man sich darin wiedererkennt, kann es schon Wien sein. Es geht mir darum, wie präsentiert sich eine Stadt für den Tourismus nach außen hin und was bleibt im Schatten, welche Themen werden nicht mehr wirklich behandelt. Dinge, die jeden Tag passieren und unangesprochen bleiben, weil sie schon so alltäglich sind. Das wollte ich mit dem Titel Schattenstadt ausdrücken. Denn es ist wichtig, dass solche Themen behandelt werden, dass man hinschaut.Ich habe früher an der Grenze vom 15. zum 14. Bezirk gewohnt in einer Substandardwohnung, dort habe ich den ewigen Streit zwischen heimischen und nicht heimischen Menschen mitbekommen, die sich bis aufs Blut bekämpft haben. Die Inklusion ist ein großes Thema für mich. Ich kann mich nicht als Einzelwesen sehen und die anderen sind mir egal. Ich brauche die Durchmischung von verschiedenen Kulturen als Lebensader, das Separieren funktioniert nicht.
Wie schaut eigentlich der Austrobilly-Hörer/-Genießer aus?
Nachdem es musikalisch so einen Spagat zwischen der langsamen Ballade und einer hingefetzten Rocknummer gibt, ist der Hörer, die Hörerin von 6- bis 60-jährig. Aber bei den Texten werden sich die Leute, die eher im rechten Lager zuhause sind, relativ bald auf den Schlips getreten fühlen.
Wie bei der Nummer „Lokalverbot“?
Genau. Dieses Lied haben wir beim FM4 Protestsongcontest gespielt. Das ist eine wahre Begebenheit. Ich habe in meinem Stammlokal Lokalverbot bekommen. Und zwar sind mir irgendwann zwei Herren am Nebentisch aufgefallen, die immer lauter geworden sind und rechtsextreme Äußerungen von sich gegeben haben. Ich hab den Kellner darauf angesprochen, und er hat gesagt, das gehe in Ordnung, die gehörten ins Lokal, seien mit der Chefin befreundet. Geendet hat es dann mit: „Es ist gescheiter, dass du heimgehst!“ Ich bin dann nie mehr hingegangen.
Wer ist Rebel G. Hardy?
Rebel G. Hardy ist eine Kunstfigur, der ständige Beobachter, der eine niedrige Frustrationsschwelle hat, ständig zwischen Zorn und dem Ist-halt-so schwebt und in den Texten Bestandsaufnahme betreibt. Aber er ist kein Voyeur. Das „Rebel“ kommt daher, dass ich seit 2000 der Linzer Künstlergruppe Rebel Club angehöre. Wir versuchen, außerhalb der Galerieszene unsere Kunst an den Mann zu bringen. Unser Konzept ist Kunst an ungewöhnlichen Orten.
Wie seid ihr zum Musiklabel derLurch gekommen?
Der Lurch ist eigentlich zu uns gekommen. Gideon (Gideon Koval ist Produzent bei derLurch, Anm. d. Red.) hat auch in Linz Kunst studiert, er hat mit dem Bassisten Spike auch eine eigene Band. Dann kam die Idee, dass wir beim Lurch die Aufnahmen machen. Durch die Zusammenarbeit mit dem Lurch haben wir ja – wie schon eingangs erwähnt – auch einen Texter bekommen.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Jannes als Texter und dir als Musiker?
Der Auftrag vom Gideon an mich war: Erzähle Jannes deine Geschichten. Also habe ich Jannes .die Geschichten erzählt. Ich habe immer versucht, Themen anhand von Geschichten aufzuarbeiten. Ich habe erzählt und Jannes hat mitgeschrieben. So ist auch die schon erwähnte Nummer „Lokalverbot“ entstanden.
Schon traurig, wenn dir in einer dünn gesäten Beislszene das Stammlokal wegbricht.
Margot Fink
Infos zu Mad Town Dogs finden Sie auf:
www.austrobilly.at
www.derlurch.at